Dienstag – 21. Juni 2016

Heute sollte ein sehr produktiver und interessanter Tag werden. Schließlich möchten wir auf unserer Reise viele Eindrücke sammeln und den Effekt unserer Arbeit hier in Burkina Faso erleben und festhalten. Unser treuer Mitarbeiter Felix war so schon am Morgen sehr fleißig und hatte einige Eltern von Kindern kontaktiert. So saßen wir noch beim Frühstück, als der Vater eines Kindes, das gerade aufgrund einer Verbrennung in Deutschland behandelt wird, neben uns. Zwar kannten wir den Fall durch den Bericht unserer Mitarbeiter, doch nun konnten wir uns alles viel besser vorstellen.

Die Ampo-Kinder haben jeden Dienstag Zirkusunterricht, das wollten wir nicht verpassen. So kam es, dass einige von uns an der afrikanischen Tanzstunde teilnahmen, jonglierten oder versuchten Diabolospielen zu lernen. Alles mit afrikanischem Trommel-Groove im Hintergrund. Ein tolles Erlebnis!

Außerdem besuchten wir „Ampo Dispensaire“, die Krankenstation die durch unseren Mitarbeiter Denis geleitet wird. Hier werden täglich bis zu 200 Menschen für einen Obolus von umgerechnet 20 Cent behandelt mit Medikamenten versorgt. Dies steht in engem Zusammenhang mit unserem Projekt Developmed.aid. Wenn die Kinder in einem Krankenhaus aufgrund einer schwerwiegenderen Erkrankung weiterbehandelt werden müssen, kommen wir ins Spiel und tragen die Kosten für diese Behandlung.

Neuerdings gibt es in Burkina Faso nach dem Präsidentschaftswechsel das System der „Gratuité“, das heißt, dass die Behandlung für Kinder von 0-5 Jahren und für schwangere Frauen am Krankenhaus gratis ist. Ein erster Schritt in die richtige Richtung! Doch leider schließt es noch nicht all unsere kleinen Patienten und vor allem nicht jede Art der Behandlung ein.

Auf dem Rückweg fuhren wir zu einer weiteren Familie- in einen Stadtteil wo es keine Straßennamen und auch keine Adressbezeichnung gibt. So holte uns der Vater des Kleinen an der Straßenkreuzung ab. „Nassara“ („ Weiße“) hörten wir aus jeder Ecke, denn hier verirrt sich normalerweise kein Weißer hin. In der Familie angekommen, versammelten sich hier die alle Kinder der Nachbarn um uns zu begrüßen. Damals haben wir die Kosten für die Behandlung einer Lungenentzündung übernommen- die Familie zeigte sich extrem dankbar.

Weiter ging es mit der ganzen Truppe- ins Krankenhaus von Kossodo. Hier wird gerade eine Kinderklinik aufgebaut. Leider gibt es wenige Untersuchungsmaterialien und die bisherige Ausstattung befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Für die bald bevorstehende Malariazeit benötigen sie dringend weitere Matratzen.
Da wir ein zusätzliches Projekt in Augenschein nehmen wollten um die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten zu verbessern, hatte Denis den Kontakt hergestellt. So war dies ein erstes Gespräch und diente zunächst nur zum Kennenlernen. Mit den zahlreichen Eindrücken des Tages trafen wir uns im Restaurant von AMPO (hier können Waisenkinder eine Ausbildung zum Koch/zur Köchin machen) wieder. Es folgte ein sehr intensives und produktives Gespräch mit Denis und Felix in dem wir über Probleme, Lösungen, Umsetzungen und Perspektiven der Zusammenarbeit besprachen.

Es wurde schon dunkel – zum Abendessen hatten uns Alain und Isabelle, die Lena und ich auf unserer allerersten Reise nach Burkina Faso kennengelernt hatten, zu sich nach Hause eingeladen. Die Freundschaft besteht nun schon seit 5 Jahren und inzwischen haben die beiden geheiratet und Nolan, ihren Sohn zur Welt gebracht. In Burkina macht man Nägel mit Köpfen. Alain ist ebenso Arzt- und arbeitet in der Uniklinik von Burkina Faso. Unglaublich wie gastfreundlich und herzlich die Burkinabés sind. Isa kochte für unsere ganze Truppe, obwohl sie nur einen von uns kannte. Ebenso gehen Freunde in Burkina bei ihren Freunden ein und aus- fühlen sich wirklich dort wie zu Hause. Daher sahen wir Mathias wieder, ein Freund von Alain, der zunächst der Kooperation mit AMPO kritisch gegenüber stand und uns riet im Yalgado zu arbeiten. Zwischenzeitlich hatte er im Kinderkrankenhaus gearbeitet und Felix selbst einige Male kontaktiert. Es war toll von einem Kritiker zu hören, dass er nun begeistert von dem Projekt ist und mit eigenen Augen bezeugen konnte- dass die Hilfe bei den Kindern ankommt.