Freitag – 24. Juni 2016

Für die meisten von uns ist heute der vorletzte Tag in Ouagadougou. Wir möchten die Stadt aber nicht verlassen, ohne noch zwei der beeindrucktesten AMPO Projekte zu besichtigen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden: Die Häuser LINDA und MIA-ALMA.

Das Haus LINDA ist ein Projekt innerhalb der AMPO Krankenstation für unterernährte Babies und deren Mütter. Da einige Mütter aufgrund fehlender Muttermilch und finanziellen Mitteln nicht wissen wie sie ihr Kind richtig ernähren sollen, sind viele Kinder, die in der Krankenstation behandelt werden, unterernährt. Sie werden daraufhin an das Haus LINDA verwiesen, wo die Kinder zuerst gewogen werden und anschließend mit speziellem, besonders nahrhaftem Brei versorgt werden, bis ihre körperliche Entwicklung altersgemäß ist. Die Mütter lernen von AMPO und im Austausch mit anderen Müttern, wie sie den Brei selber mit erschwinglichen Nahrungsmitteln zuhause zubereiten können und somit ihre Kinder richtig ernähren können. AMPO führt auch regelmäßig Hausbesuche bei den Müttern durch.

Nach einem heftigen Regenschauer fahren wir mit den AMPO Mädchen der Häuser MIA und ALMA zu ihnen nach Hause. Die zirka 30-minütige Fahrt im Stehen auf dem Toyota Pick-Up bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Tanzend, jubelnd und im Klang eines Djembé fahren wir eng aneinander gereiht durch Ouaga und singen freudestrahlend „Nous sommes les enfants d’AMPO“ („Wir sind die Kinder von AMPO“). Die Mädchen wirken trotz ihrer harten Schicksale sehr fröhlich.

Das Haus MIA-ALMA bietet Zuflucht für verstoßene Mädchen, die oft Schreckliches hinter sich haben. Sie sind geflohen vor Zwangsheirat oder Beschneidung oder sind durch sexuellen Missbrauch und Prostitution ungewollt schwanger geworden. Dies sind Gründe, aufgrund derer Mädchen in Burkina Faso aus ihren Familien verstoßen werden.. Einige der Mädchen werden auch wegen ihrer Aidserkrankung ausgegrenzt.

Das Haus MIA-ALMA ist das einzige Heim in Ouagadougou, welches diesen Mädchen einen Ausweg aus ihrer Situation bietet. Hier können bis zu 50 Mädchen und ihre Kinder aufgenommen werden und die Nachfrage steigt ständig.

Die Mädchen bleiben in der Regel zwei bis drei Jahre bei AMPO und werden in Schneiderei und Hauswirtschaft ausgebildet mit dem Ziel später ein selbstständiges Leben führen zu können. Um sich gegen zukünftige Gefahren zu wappnen, werden die Mädchen zudem zu den Themen Frauenrechte, Beschneidung, Sexualität und AIDS-Verhütung aufgeklärt.

Wir besichtigen die Schneiderei und den Gemüsegarten der Mädchen und lernen anschließend die Grundschritte ihres traditionellen afrikanischen Tanzes, wieder in Begleitung des Djembé und ihres atemberaubendem Gesanges, welches mir Gänsehaut verschafft.

Die Kinder und Mädchen der Häuser LINDA und MIA-ALMA werden mir noch lange in Erinnerung bleiben und ich hoffe sehr, dass ihnen eine gute Zukunft bevorsteht.